A-N-I-M-A-L-S Warum dieses Spiel?


Wir können es Kindern erleichtern, schrittweise die Struktur geschriebener Sprache zu erlernen, indem wir ihnen die Gelegenheit bieten, mit Klängen, Buchstaben, oder Wörtern zu spielen, genauso wie sie auch die gesprochene Sprache erlernt haben.

1. Wie Kinder lernen
2. Wie dieses Spiel hilft
3. Häufig gestellte Fragen



1. Wie Kinder lernen

Die meisten Kinder sprechen mit drei Jahren. Sie haben es hauptsächlich selbst gelernt, durch ständiges Zuhören und Versuche, sich verständlich zu machen. Wir haben vergessen, wieviel Aufwand dies für uns selbst darstellte, vermutlich weil es trotz aller Schwierigkeiten sehr viel Bestätigung bedeutete: stellen Sie sich ein Kind vor daß vor Freude strahlt, weil es den Eltern gerade seine ersten richtigen Worte gesagt hat.

Jahrzehntelange Forschungen im Bereich der Entwicklungspsychologie, Sozialisationstheorie und Pädagogik haben ergeben, dass Kinder an Lernprozessen viel mehr selbst beteiligt sind als bisher angenommen. Wenn die Grundbedürfnisse gedeckt sind, erforschen Kinder ihre Umgebung, machen Entdeckungen, bauen sich ihre eigene Weltanschauung und passen diese ständig der Realität an.

In diesem schrittweisen Prozess steter Anpassung meistern Kinder das Greifen, Laufen, Springen, Aufbauen von Beziehungen, usw. in ihren ersten drei bis vier Jahren. Dabei prägen sich die diversen Fähigkeiten bei jedem Kind individuell schnell und stark aus.

Anmerkung: Die Darstellung dieser Theorien durch den Autor sind bestenfalls Übersichten. Weitere Informationen zum Thema finden Sie in den Arbeiten von O.K. Moore, Seymour Papert und Ragnhild Söderbergh.



2. Wie dieses Spiel hilft

Warum ein Spiel, um Kindern das Lesen beizubringen? Lernen sie das nicht schon in der Schule?

Das Lesen kann ein Kind nur dann weiterbringen, wenn es ihm Spass macht und es es fließend beherrscht. Um dahinzugelangen, braucht es positive Verstärkung. Je früher so ein Verstärkungsprozess einsetzt, desto besser. Bei Kindern, die zu spät anfangen (6 Jahre ist das offizielle Alter in vielen Ländern) steht dieser Verstärkungsprozess auf dem Spiel, weil im Gegensatz zu jüngeren Kindern ihre Neugierde nicht mehr durch ein starres Schriftbild geweckt wird. Sie ziehen bewegte Bilder aus dem Fernsehen vor, was man ihnen nicht verübeln kann.

Ich will nicht behaupten, dass Kinder schon früher in die Schule gehen sollten. Mein Standpunkt ist, dass der richtige Zeitpunkt mit dem Lesen anzufangen - nämlich dann, wenn es am leichtesten und unterhaltsamsten ist - dann gekommen ist, wenn sie nach der Bedeutung dieser ganzen seltsamen Zeichen auf Schildern und Etiketten fragen. Für die meisten Kinder in unserer belesenen Gesellschaft tritt dieser Zeitpunkt lange vor dem sechsten Lebensjahr ein.

Daher besteht das Risiko, dass Kinder nicht die Leichtigkeit beim Lesen entwickeln, die ihnen später nützlich sein wird. Ein Grossteil des menschlichen Gedankenguts wird ihnen verborgen bleiben und wenn es stimmt, dass Lesen das Strukturieren komplexer Denkvorgänge fördert, werden sie auch daran verlieren. Wieviele Teenager machen sich heutzutage nichts aus Lesen? Leider ein sehr grosser Anteil, und das wird ihnen ihr Leben nicht gerade erleichtern.

Und spielen kann dabei helfen?

Nicht jedes Spiel, und auch nicht, wenn es zu spät ist (ich hoffe, daß es nie zu spät ist, aber es wird zunehmend schwieriger). Kinder müssen Spass daran haben und das Spiel muss die Regeln der geschriebenen Sprache beinhalten, damit sie das Lesen beim Spielen üben. Obwohl die Anforderungen an ein solches Spiel von Forschern festgelegt wurden, wurde meines Wissens bislang nichts dergleichen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Warum nicht? Warum gab es bisher kaum derartige Spiele?

Hauptsächlich, weil die Festplatten der üblichen Computer nicht gross genug für die erforderlichen Dateien waren. Dieses Spiel (mit beiden Bilderpacketen) wird mit über 800 digitalen Fotos geliefert, und jede Sprachimplementierung enthält ebensoviele digitalisierte Sprachaufnahmen. Nur teure Computer, wie sie in Forschungslabors eingesetzt werden, hatten bislang die erforderlichen Kapazitäten, und darum konnten bislang auch nur Kinder, die an Forschungsprogrammen teilnahmen, solche Spiele spielen. Doch damit ist jetzt Schluss!

Warum so viele Bilder?

Mit weniger Bildern gäbe es nicht genug Wörter für jeden Buchstaben. Es ist wichtig, den Kindern den Eindruck zu vermitteln, dass es viel zu entdecken gibt, ansonsten sind sie nicht lange genug daran interessiert, um über das Stadium hinauszukommen, in dem sie nur Bilder angucken.

Über das Stadium hinaus zu was?

Wenn die Kinder begriffen haben, dass Wörter aus Buchstaben bestehen und sie merken, dass sie selbst Wörter bilden können, die ihnen der Computer vorspricht, haben sie viel Vergnügen daran. Die Freude an der Entdeckung spielt nun eine untergeordnete Rolle, nun fasziniert diese neu entdeckte Fähigkeit und hilft der weiteren Entwicklung. Wenn sie von den Eltern unterstützt werden, können sie nun bald einfache Bücher lesen.

Warum nicht lieber Zeichnungen? Wäre das nicht platzsparender?

Sicher, die Dateien wären kleiner, allerdings haben einfache Zeichnungen nicht den Detailreichtum von Fotos. Mit Fotos geben wir den Kindern viel mehr zu erforschen, was sie wiederum ermuntert, tiefer einzusteigen und zum wesentlichen Punkt zu gelangen - der Verknüpfung von Buchstabe und Form bzw. Buchstabe und Klang.

Würden Filmsequenzen und Animationen nicht noch mehr zum erforschen bieten?

Sicher, aber die Verbindung zu Buchstaben, Lesen, usw. wäre zu weit hergeholt. Bei diesem Spiel geht es darum, den Kindern eine Umgebung zu bieten, die es Ihnen leicht macht, in spielerischer Art mit den Bausteinen geschriebener Sprache umzugehen, nicht sie zur Passivität zu verleiten!

Warum sollen Erwachsene nicht helfen?

Sie können helfen, allerdings sollten sie durch die Augen Ihres Kindes sehen. Ansonsten kann es allzuleicht passieren, dass sie über das Ziel hinausschiessen und dem Kind seinen Spass nehmen.

Hier ist ein Beispiel aus einem Kindergartentest: die Kinder durften nacheinander alleine oder in Zweier- bzw. Vierergruppen den Computer bedienen, nachdem ihnen erzählt wurde, dass es sich hierbei um ein neues Spiel handelt. Die meisten legten sofort los, tippten auf der Tastatur herum, beobachteten den Bildschirm und begriffen das Spiel sehr schnell. Auch wenn sie nur blind herumtippten, schienen sie alle sichtlichen Spass daran zu haben. Als zwei jüngere Kinder spielten, kam ein Erwachsener vorbei und stellte fest, dass sie auf eine falsche Taste tippten, um ein Wort zu vervollständigen. Er zeigte auf den Schirm und fragte "Schau hier, welche Taste kommt als nächstes?" Die Kinder hielten inne. Er wollte nur helfen, aber seine Worte hatten die spielerische Situation verändert: es war kein freies Spiel mehr, irgendeine Art Leistung wurde verlangt, und das machte keinen Spass mehr.

Deshalb ist es für Erwachsene in der Regel besser zu warten, bis die Kinder fertig sind, und sie anschliessend für etwas zu loben, was sie gemacht haben. Das kann das Probieren von Tasten sein, oder das Anhören der Klänge, solange es tatsächlich stattgefunden hat und man es positiv auslegen kann. Das gibt den Kindern das Gefühl, dass man sich um sie kümmert und das ist die beste Hilfe, weil es ihnen das nötige Selbstvertrauen gibt, um Risiken einzugehen, Fehler zu machen und selber zu lernen.

Sie können auch helfen, indem sie das Spiel auf eine Dauer begrenzen, bevor die Konzentration nachlässt. Alles wird auf die Dauer langweilig und mit dem Spiel aufzuhören, solange es noch Spass macht, ist ein Anreiz, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen.

Wie lange und wie oft sollten Kinder spielen?

Ich würde sagen, dass ein paar Minuten am Tag genug sind. Es muss auch nicht jeden Tag sein. Es hängt sehr vom Kind ab, jedes durchläuft vermutlich mehrere Stadien. Manche haben vielleicht mehrere Tage oder sogar Wochen gar kein Interesse. Dann plötzlich fällt es ihnen wieder ein und Sie werden erstaunt sein, wieviel Fortschritt sie gemacht haben! Eine so komplexe Fähigkeit wie das Lesen zu erlernen verlangt einige Zwischenschritte und ein offensichtlicher Mangel an Fortschritt ist kein verlässlicher Hinweis auf das, was im Kind stattfindet.

Es hängt aber auch vom Alter ab und davon, was sie schon können. Manche Kinder tippen gerne auf die Tasten und fahren die Buchstaben mit ihren Fingern nach. Andere interessieren sich mehr für die Klänge und schlagen immer wieder die gleichen Tasten an, um eine Art "Musik" zu machen. Wieder andere schauen hauptsächlich auf den Schirm und tippen wahllos auf Tasten, denen sie nur wenig Bedeutung beimessen. Jedes dieser Kinder fokusiert sich auf einen bestimmten Akspekt des Spiels, vermutlich weil es gerade diesen Teil der Interaktion mit der Umgebung entwickelt. Dies ist ein weiterer Grund, warum wir Kinder nicht unterbrechen sollten, weil wir nur erraten können, was sie gerade ausprobieren. Ihnen irrelevante Unterstützung anzubieten, wäre in diesem Falle hinderlich.

Im Endeffekt ist die beste Möglichkeit, unseren Kindern das Lernen zu erleichtern, ihnen möglichst viel verschiedene Gelegenheiten dazu zu bieten. So gut dieses Spiel auch sein mag, es wird langweilig, wenn es das einzige Spiel ist. Darum sollten Sie auch andere Spiele parat haben (ein Spiel, das sich sehr gut als Ergänzung zu A-N-I-M-A-L-S eignet, ist Brøderbund's ausgezeichnetes Dr Seuss's ABC), zusammen Bücher lesen, Kinder ihre Bilder signieren lassen, usw. All diese Aktivitäten verstärken sich gegenseitig, bringen Kindern etwas bei in Bezug auf Buchstaben, Wörter, wofür Lesen und Schreiben gut ist, usw.



3. Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich Begriffe ändern oder hinzufügen ?
Die Ergänzung um Begriffe, die dem Kind besonders geläufig sind oder am Herzen liegen, ist eine sehr gute Idee, weil sie das Interesse am Spiel deutlich steigern kann!

(1) Speichern Sie eigene Fotos im .pict-Format und legen Sie sie in den "Pictures"-Ordner.

(2) Nehmen Sie die gesprochenen Worte als .aiff-Dateien auf und legen Sie sie im "Word Sounds"-Ordner ab. Sie können auch neue Unterordner anlegen, um die Übersichtlichkeit zu wahren.

Wenn die Dateinamen für Bild und Wortlaut gleich gewählt werden, erkennt das Programm die Übereinstimmung und assoziiert das Wort automatisch mit dem dazugehörigen Bild.
 
Ich habe gehört, dass zu frühes Lesenlernen nicht gut sein soll. Man sollte Kinder lieber ihren Spass haben lassen.
Mit ganzem Herzen stimme ich der Aussage zu, dass Kinder (und auch Erwachsene!) ihren Spass haben sollten. Schliesslich ist es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, etwas zu lernen, wenn man sich dabei nicht wohlfühlt. Vielleicht betrachten Sie es einmal so: solange ein Kind seinen Spass an diesem Spiel hat, schadet es ihm mit Sicherheit nicht. Es ist nur eine von vielen Arten, seinen Spass zu haben (und dabei zu lernen)...
 
Ist das nun die Buchstaben-, Silben-, oder Ganzwortmethode?
Weder noch, aber sie kombiniert die Vorteile aller Methoden.
 
Kann die Art des Lernens, wie sie hier vorgegeben wird, nicht im Konflikt stehen mit der Art und Weise, wie später in der Schule gelernt wird ?
Das glaube ich nicht. Jedes Kind kann frei mit dem Spiel experimentieren und was immer das Kind dabei lernt, lernt es in der Art und Weise, die ihm zum jeweiligen Entwicklungsstand zur Verfügung steht und damit auch entspricht. Nebenbei bemerkt, das Spiel tut ungefähr dasselbe, was Sie auch tun, wenn Sie Ihrem Kind ein Bilderbuch zeigen und ihm die Namen der Dinge vorlesen, auf die es zeigt...
 
Wo kann ich mehr über Zusammenhänge von Kindern und Lernen erfahren ?
Die folgenden Texte bedeuteten eine grosse Inspiration bei der Realisierung dieses Projekts: Mindstorms und The Children's Machine,von Seymour Papert. Peoplemaking, von Virginia Satir. Reading in Early Childhood, von Ragnhild Söderbergh. When the computer talks... ed. Rachel Cohen. Some Principles For the Design of Clarifying Educational Environments, von O.K. Moore und Alan R. Anderson, in Handbook of Socialization Theory and Research. Thought and Language von L. S. Vygotsky. Mind in Society : The Development of Higher Psychological Processes, von L. S. Vygotsky.